Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste
im Rahmen der heute stattfindenden 56. Bezirkskonferenz des IG Metall Bezirks Frankfurt wird zum 2. Mal die Georg-Bernard-Plakette für soziales und demokratisches Engagement verliehen.
Ich möchte daran erinnern, dass die letztjährige 1. Preisverleihung an den im Herbst 2004 gegründeten Verein „BIFOR“ mit Sitz in Saarbrücken ging.
Georg-Bernard, der Namensgeber dieser Ehrung, war von 1920 bis zur gewaltsamen Gleichschaltung der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten zur „Deutschen Arbeitsfront“ im Jahre 1933 Bezirksleiter des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes (DMV) im heutigen Bezirk Frankfurt.
Er wurde 3 x von den Nazis verhaftet und in Konzentrationslagern eingesperrt. Am 04. März 1945, kurz vor Kriegsende, starb Bernard im Konzentrationslager Dachau an den Folgen des Nazi-Terrors.
Georg Bernard war ein unermüdlicher und unerschrockener Kämpfer gegen die Nazis.
Die Ehrung ist auch in diesem Jahr wieder mit einer Geldspende von 1.000,-- € verbunden. Sie dient der Würdigung ehrenamtlichen Engagements.
Die Auszeichnung geht dieses Jahr an die „AG gegen Rechts“ an der IGS (Integrierten Gesamtschule) in Kandel.
Dies freut mich besonders, weil diese Auszeichnung an eine Gruppe geht, deren Sitz im Bereich meiner Verwaltungsstelle liegt.
Die „AG gegen Rechts“ wurde am 18. Februar 2003 gegründet.
Im Protokoll einer ersten Vorbesprechung am 06. Februar 2003 ist zu lesen:
„Es waren 10 interessierte Schülerinnen und Schüler (3 aus der Realschule) da, einige hatten heute keine Zeit (...).
Jede/r stellte sich vor und berichtet, warum er/sie Interesse an diesem Thema hat. Vielfach ist es bedingt durch die Einsicht, dass rechtes Gedankengut keine gute Gedanken sind.
Die Handlungen, die aus solch einem Gedankengut resultieren, finden die Schülerinnen und Schüler einfach verabscheuungswürdig.
Nach weiteren, ergänzenden Berichten über eigene Erfahrungen bzgl. rechter Gewalt überlegten wir, auch anhand dieser Seite, in welche Richtung eine Arbeit in der AG gehen kann.
Es wurde bald klar, dass zunächst einmal jeder mehr an grundsätzlichen Informationen haben sollte.
So werden zu Beginn auch geschichtliche Einblicke erarbeitet werden müssen.“
Diese Erarbeitung geschichtlicher Einblicke zieht sich über die gesamte Dauer hin.
Beispielhaft genannt:
· März 2003: Ausstellungsbesuch „Euthanasie im 3. Reich“ in Klingenmünster. Etwa 1.700 Patienten aus Klingenmünster wurden im Laufe der Jahre 1939 bis 1945 direkt oder indirekt Opfer des Nazi-Euthanasie-Programms.
· Juni 2003: Ausstellung in der IGS Kandel „75 Jahre Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“
· Dezember 2003: Mit Zeitzeugen auf den Spuren deutscher Geschichte in Berlin
· Juni 2004: Die „AG gegen Rechts“ beteiligt sich an der Netzwerkgründung südpfälzischer Initiativen für ein gewaltfreies Miteinander im Bereich Kandel / Landau. Ziel beider Gruppen ist es, die Aktivitäten aus der rechtsextremen Richtung im Auge zu behalten und darauf auch einmal kurzfristig zu reagieren, z. B. mit Gegendemonstrationen oder Infoständen. Weiterhin werden an Gedenktagen Veranstaltungen organisiert, Filme vorgeführt, Bildungsveranstaltungen angeboten, Podiumsdiskussionen moderiert, ...
· Mai 2005: Besuch einer Ausstellung im KZ Osthofen
· Januar bis Juli: Zeitzeugen-Interviews
· Eine besondere Veranstaltung fand am 20. Juni 2005 statt: Damals fuhren das erste Mal alle Klassen, insgesamt 120 Schüler und Schülerinnen, eines 9. Jahrgangs der IGS Kandel gemeinsam nach Natzweiler/Struthof, dem einzigen Konzentrationslager auf französischem Boden, nicht weit von Kandel im Elsass.
· 9. November 2005: Ministerpräsident Kurt Beck und Landtagsvizepräsidentin Friedel Grützmacher diskutieren mit Schülerinnen und Schülern der IGS Kandel über die Bedeutung des 9. November in der Geschichte Deutschlands.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
es lohnt sich, über diesen kleinen Aufriss hinaus, einen Blick auf die Homepage der IGS Kandel im Punkt „AG gegen Rechts“ zu werfen. Dort wird in eindrucksvoller Weise die bisher geleistete Arbeit dieser Arbeitsgruppe dargestellt.
Durch die Auszeichnung junger Menschen, die unter Anleitung von Wolfgang Holzner, diese „AG gegen Rechts“ gegründet haben, erfährt Georg Bernard eine angemessene Würdigung. Die Auszeichnung erfolgt in seinem Sinne, weil sie einer Einrichtung zukommt, deren Schülerinnen und Schüler sich in besonderer Weise gegen den Rechtsextremismus engagieren.
Ich sage: „Geht diesen Weg gradlinig weiter.“
Und ich sage Euch für die Verwaltungsstelle Neustadt zu: „Ihr bekommt künftig Unterstützung in Eurer Arbeit auch durch uns.
Da könnt Ihr mich beim Wort nehmen!“
Ich bitte nun zur Preisverleihung den Betreuer der AG gegen Rechts, Herrn Holzner, und Schülerinnen und Schüler als Vertreter der AG hier auf die Bühne zu kommen.
Werner Dietrich