Die Arbeitsgruppe "Geschichte" der Volkshochschule Kandel (Dr. Werner Esser u.A.) leistete die Vorarbeiten im Archiv der Stadt.
Der Antrag im Stadtrat wurde (auf Anregung von  Dr. Esser) von allen Fraktionen gemeinsam gestellt und einstimmig beschlossen.
Bezahlt wurden die Steine durch Spenden aller Fraktionen.  Die Stadt Kandel stellte einen Mann des Bauhofes zur Vorbereitung der Steinverlegung.


Beteiligung Jugendlicher: IGS Kandel, RS Kandel, Musikschule, Konfirmanden

 
AGgegenRECHTS-Mitglieder verlasen 20 der über 72 Verordnungen und Gesetze,
die die Nazis zwischen 1933 und 1945 hatten, in denen die Juden nach und nach alle
Rechte verloren.


Ein Stein, ein Schicksal (RP vom 7.9.11)

Kandel: Stolpersteine sollen an vertriebene, ermordete Juden erinnern

Als Abschlussveranstaltung der Feier zum 75-jährigen Stadtjubiläum gedenkt Kandel der jüdischen Mitbürger, die 1937 in der Stadt lebten und später ein Opfer der Naziherrschaft wurden. Zu ihrem Gedenken werden am Dienstag, 11. September, auf einen einstimmigen Beschluss des Stadtrats hin vor ihren damaligen Wohnungen so genannte „Stolpersteine” verlegt.

Das sind kleine, in den Boden eingelassene Messingplatten, die der Kölner Künstler Günter Demnig entworfen hat. Sie sollen zum Innehalten und Gedenken, vor allem aber auch zum Nachdenken anregen.
Der erste Stein wird vor dem Anwesen Rheinstraße 16 zum Gedenken an Oskar Haas, seine Ehefrau Bertha, die Söhnen Julius und Richard sowie von Oskars Schwester Ida verlegt.

Die Familie Haas wurde 1938 bei der „Reichspogromnacht” aus ihrem Haus, das anschließend verwüstet und geplündert wurde, verjagt. Nur ein Nachbar stellte sich damals dem wütenden Mob entgegen. Die Familie floh darauf hin nach Karlsruhe. Dort wurde Oskar verhaftet und ins KZ Dachau eingewiesen, aus dem er jedoch nach kurzer Zeit wieder entlassen wurde. Als dann am 22. Oktober 1940 die pfälzischen und badischen Juden in das französische Auffanglager Gurs deportiert wurden, war auch die Familie Haas dabei.
Lediglich dem Sohn Richard war vorher die Flucht in die USA gelungen. Oskar Haas und seine Schwester Ida waren den Strapazen des Transports und den menschenunwürdigen Bedingungen im Lager nicht gewachsen und starben schon wenige Wochen nach ihrer Einweisung. Mutter Bertha und Sohn Julius konnten nach zweijährigem Lageraufenthalt in die USA auswandern.

Der Gedenkstein in der Rheinstraße 16 soll aber auch an Oskars Schwester Paula Simon und ihren Ehemann erinnern, die 1942 in Auschwitz ermordet wurden. Ihre Stolpersteine findet man in der Karlsruher Kaiserstraße.

Ein zweiter Stein wird in der Marktstraße 34 zum Gedenken an den jüdischen Bankier und Direktor der Kandeler Volksbank Maximilian Samson verlegt. Er war verheiratet mit der aus Minderslachen stammenden Veronika Steiner, die nach den damaligen Rassegesetzen als „arisch” eingestuft war. Sie hatten zwei Töchter, die als „Halbjüdinnen” galten. Auch Samson wurde 1938 für kurze Zeit in das KZ Dachau verbracht. 1940 wolle man auch ihn nach Gurs „verfrachten”.
Zwei mutige Kandeler Bürger holten ihn jedoch in Karlsruhe aus dem abfahrbereiten Zug und versteckten ihn in Kandel. Hier überlebte er die Kriegszeit, ebenso wie auch seine Töchter, dank der Hilfe, die ihm aus der Bevölkerung zuteil wurde.
1946 berief die französische Besatzungsmacht Samson, der 1953 verstarb und auf dem jüdischen Friedhof in Ingenheim beerdigt wurde, in einen Bürgerausschuss, der sich mit der Lösung sozialer Probleme in Kandel beschäftigen musste.
Termin: Gedenkveranstaltung, ab 14.30 Uhr in der Rheinstraße 16. Schüler der weiterführenden Schulen und der Musikschule sowie der Künstler Günter Demnig gestalten die Veranstaltung. (wm)